Herakleia

Entfernung: 107 km; Fahrtzeit einfach: 1 Stunde 45 Minuten

Sie erreichen Herakleia über Bodrum nach Milas. Dort wenden Sie sich nach Norden Richtung Söke/Izmir. Die Straße wird auch dorthin derzeit 4-spurig ausgebaut, sodass sich die Fahrtzeit bald verkürzen wird. Es lohnt sich auf dem Weg dorthin die Besichtigung von Euromos (siehe dort). Ca. 32 km nach Milas biegen Sie rechts ab. Der Hinweis auf Herakleia ist braun ausgeschildert. Der Ort nennt sich heute Kapikiri.

Ein Stück Stadtmauer der antiken Stadt Herakleia vor dem gwaltigen und sagenumwobenen Latmosgebirge
Ein Stück Stadtmauer der antiken Stadt Herakleia vor dem gwaltigen und sagenumwobenen Latmosgebirge

Zugegeben! Für einen kurzen Besuch ist Herakleia eigentlich zu schade, denn dieser touristisch weitgehend unerschlossene Ort mit großer historischer Bedeutung inmitten einer wilden und faszinierenden Landschaft ist einzigartig und auch nur zeitaufwändig zu erkunden. Nirgendwo spürt man Vergangenheit, Natur und ursprünglich gebliebene Westtürkei so intensiv wie hier. Nirgendwo ist auch antiker Götterglauben so gut nachvollziehbar.

Blick vorbei am Athenatempel. Am Horizont hinter der Insel sieht man die flache Ebene, die einst Zugang zum Mittelmeer war
Blick vorbei am Athenatempel. Am Horizont hinter der Insel sieht man die flache Ebene, die einst Zugang zum Mittelmeer war

Ursprünglich war Herakleia eine Meeresbucht und ein wichtiger Mittelmeerhafen. Die im Altertum angesiedelten Karer betrieben von hier Handel mit Oliven, Wein und Honig, aber auch mit Marmor, denn hier gab es in der Antike zwei große Marmorsteinbrüche. Der dort abgebaute Marmor fand auch beim Bau des berühmten und nicht weit entfernten Tempels von Didyma und die Großbauten der nahe gelegenen Stadt Milet Verwendung.

Doch hat der Mensch trotz seiner Bemühungen, den Meereszugang nach Herakleia aufrechtzuerhalten vor der Natur kapitulieren müssen. Heute ist der „Bafa-See“ ein Binnensee und lediglich der geringe Salzgehalt des Wassers erinnert an die einstige Zugehörigkeit dieses Gewässers zum Mittelmeer.

Doch im Jahre 17 n. Chr. veränderte ein schweres Erdbeben, welches große Bodenverschiebungen mit sich brachte, mittelfristig den ganzen Raum des Latmos. Der Fluss Mäander lagerte Unmengen von Schwemmmaterial ab, sodass der Zugang zum Meer trotz heftiger Bemühungen letztendlich völlig abgeschnitten wurde. Mit seinem Meereszugang verlor Herakleia in den kommenden Jahrhunderten immer mehr an Bedeutung. Heute ist der einst mächtige Mäanderfluss, der auch für die Schifffahrt genutzt wurde nur noch ein unbedeutendes Rinnsal.

 

Stadtmauerturm - im Hintergrund die Bergkulisse des Latmosgebirges
Stadtmauerturm - im Hintergrund die Bergkulisse des Latmosgebirges

Bedrohlich und beeindruckend erscheint das Latmosgebirge , das hoch über Herakleia mit seinen   "fünf Fingern " von Meereshöhe bis zu einer Höhe von 1375m aufragt. Kein Wunder, dass die Karer und Römer dort einen Wohnsitz der Götter vermuteten und selbst die frühen Christen zogen in Bittprozessionen dort hinauf, so z.B. im 10. Jahrhundert eine Gruppe von Bewohnern von Milet, da eine außerordentliche Trockenheit Notzeiten bescherte. Sie zogen zu einem mächtigen Stein an der Bergspitze, der auch im Christentum Verehrung fand, denn der Legende nach verlieh dieser den Äbten der Latmos-Klöster Erleuchtung und die Gabe des Heilens.

Am Fuß des Berges unterhalb der Agora befand sich auch das Heiligtun der Mondgöttin Selene, die ihren Geliebten in einen tiefen Schlaf versetzt haben soll, damit er niemals altere. Dieser soll noch heute in einer Höhle unter dem Heiligtum seinen Jugend- und Schönheitsschlaf pflegen, unterbrochen nur von den Besuchen der Göttin, die stets von Eroten begleitet wird.....

Zu diesem Heiligtum, dem Endymion, das auch die frühen Christen verehrten, gibt es noch eine andere Variante der Legende: Die Mondgöttin Selene entdeckte eines Nachts einen schlafenden Hirten namens Endymion und verliebte sich wie wahnsinnig in diesen. Zeus geriet darauf in rasender Eifersucht aus dem Häuschen und bestrafte zornerfüllt den Hirten dazu, dass er in jugendlichem Schlaf niemals mehr aufwache. Seither schläft Endymion an jener Stelle und ist in seinen Träumen verfangen. Selene jedoch wohnt im jede Nacht bei . Und so sind aus diesem "Beiwohnen  " genau fünfzig Kinder hervorgegenagen....

Der Athenatempel
Der Athenatempel

Ein konzentriertes Ausgrabungsgelände finden Sie hier nicht. Herakleia scheint mit der Zeit in das heutige immer noch sehr ursprüngliche Dorf Kapikiri übergegangen zu sein. Überall im Dorf finden sich Reste antiker Bauten, alles überragt vom Athenatempel in exponierter Höhe, der noch drei Außenwände aufweist, dessen Besuch jedoch schön wegen des tollen Ausblicks von dort ein Muss ist. Es ist ein einfacher, kubischer Tempel. Die Mauern sind noch bis zur Dachhöhe vorhanden.

Blick auf die Agora
Blick auf die Agora

Der heutige Schulhof des Dorfes befindet sich auf der ehemaligen Agora, die einst mit Säulenhallen bestückt war. Die mächtigen Stützmauern sind noch heute erhalten.

Das ehemalige Rathaus, das sogenannte Buleuterion finden sie auf der anderen Seite der Dorfstrasse von der Agora aus gesehen hinter einigen Häusern. Das Theater , etwas bergauf jenseits der Dorfwiesen gelegen, ist nicht mehr gut erhalten. Zu viele Steine fanden anderweitige Verwendung.

Um so beeindruckender Stadtmauer mit ihren vielen, einst 100 Türmen. Die Stadtmauer ist eine der besterhaltensten der ganzen Türkei! Die Anlage der Zitadelle im oberen Bereich ist fast komplett erhalten, ebenso ein Turm.

Die Vorgängerstadt Latmos finden Sie ein Stück bevor Sie Kapikiri erreichen rechts oberhalb der Straße. Erhalten sind teile der Stadtmauer sowie Fundamente von Türmen und Häusern.

Sie finden weiter oberhalb des Dorfes nach längeren Fußmärschen viele Klosterruinen, in denen Eremiten und später Mönche in frühchristlicher zeit wohnten (ab 9. Jahrhundert). Herakleia war zu jenen Zeiten auch Sitz des Bischofs, darunter das Kloster der sieben Brüder, das Stylos-Kloster und das Kiliselik-Kloster.

Auch finden Sie zahlreiche Bauten byzantinischer Zeit, insbesondere auf den Inseln des Sees.

Angeboten werden im Dorf Bergtouren sowie Seefahrten, die durchaus empfohlen werden können, auch wenn alles noch recht spartanisch abläuft......

 

Interessant sind in der Gegend noch prähistorische Fels- und Höhlenmalereien, die zeitlich noch nicht genau eingeordnet werden konnten. So z. B. die Göktepe-Höhle bei Sögütözü, wo eine ganze Reihe von Stätten mit prähistorischen Malereien gefunden wurden. Erreichbar sind diese allerdings über eine andere Nebenstrasse über Cavdar. Zudem ist auch Fußmarsch erforderlich!

 

Und hier noch ein Literaturhinweis: Der Latmos von Anneliese Peschlow-Bindokat

                                                           Eine unbekannte Gebirgslandschaft an der türkischen Westküste

                                                           Verlag Philipp von Zabern 1996

                                                           sehr informativ!