Stratonikeia/Lagina

Einfache Entfernung: 96,5 km, Fahrtzeit: ca. 2 Stunden

Ein sehr zu empfehlender Tagesausflug ist  die im 3. Jhdt. v. Chr. von den Seleukiden gegründete Stadt Stratonikeia

(Stratoniceia/  Στρατονικεῖα).

Sie erreichen diese wenig bekannte Ausgrabungsstätte im Gebiet des fast verlassenen Dorfes Eskihisar (vor Yatagan) über Bodrum und Milas. Die Straßen dorthin sind gut und überwiegend sogar vierspurig. Nach Fertigstellung des Ausbaus der Strecke von Milas nach Yatagan wird sich die Fahrtzeit auf 1 ½ Stunden verkürzen (2011)

Von dort erreichen Sie nach 15-minütiger Fahrt auch Lagina, das zu Stratonikeia gehörige antike Heiligtum. Sie fahren die Straße von Stratonikeia weiter Richtung Yatagan. Kurz vor der Stadt führt eine Abzweigung nach links (beschildert) nach Lagina.

Besonders fasziniert an Stratonikea seine weitläufige Lage und die Mischung mit dem zwischenzeitlich fast vollständig verlassenen, osmanischen Dorf Eskihisar. Auffallend die alte, teilweise restaurierte Moschee am Ortseingang, gebaut auf römische Fundamente und die vielen Granatapfelbäume, die im ganzen Areal aufzufinden sind.

 

Nehmen Sie sich Zeit, denn vieles entdecken Sie erst beim genauen Hinsehen und bei Besuch von Hinterhöfen/-gärten.

Das Buleuterion 

war in den Stadtstaaten des antiken Griechenlands der Versammlungsraum des Rates der Stadt. Setzen Sie sich doch auch mal auf diese ehrwürdigen Stufen, vielleicht hört Sie irgendjemand, wenn Sie Ihren Rat den vielen interessanten Steinen mit Inschriften auf der linken Seite mitteilen. Das sind übrigens die diokletianischen Preisedikte, die größte zusammenhängende Übersicht über Löhne und Preise des römischen Reichs. Sie sollten die Inflation des 3. Jh. n.Chr. beenden. Wie auch heute oft in der Politik versagte aber auch dieses Preisedikt, indem es die Schattenwirtschaft verstärkte.

 

 

Das Theater

liegt  etwas abseits, da es außerhalb des eigentlichen Wohnviertels gebaut wurde. Es fasste ca. 10.000   Zuschauer und ist noch relativ gut erhalten. Neuerdings werden dort auch klassische Konzerte abgehalten, ein wirklich toller und beschaulicher Ort.

Sofern Sie gut zu Fuß sind und gutes Schuhwerk haben, wagen Sie einen Aufstieg über das Theater hinauf, denn dort finden Sie (von unten nicht sichtbar) auf dem Plateau oberhalb des Theaters noch ein Tempelfundament mit Säulenresten. Es handelt sich wohl um einen in der Kaiserzeit entstandenen Tempel, der dem Kaiserkult gedient haben mag.

Das Gymnasion

Es hat eine Fläche von 105 x 180 m. Es war eine prunkvolle Trainingsstätte für Athleten, worauf auch der viel verwendete weiße Marmor hindeutet. Ein Großteil der Außenmauern ist erhalten, viele sehenswerte Einzelteile des Gebäudes, die vielleicht eines Tages eine teilweise Rekonstruktion ermöglichen werden, liegen zur Besichtigung frei.

Das Nymphaion

Das Nymphenheiligtum  mit Doppeltor befindet sich im Norden der Stadt. Das direkt daneben befindliche Tor war der Haupteingang der Stadt. Das gesamte Areal im Innenbereich des Tors ist sehr beeindruckend und lässt das einstige prunkvolle Erscheinungsbild der Stadt mehr als erahnen.

Ein Grab

Ca 50 m nördlich des Haupttores im Norden befindet sich ein sehr gut erhaltenes Kammergrab, das wohl der Zeit Hadrians zugeschrieben werden kann. Es ist nicht ausgeschildert aber sehenswert und leicht zu finden, wenn sie das nördliche Haupttor durchschritten haben.

Das Dorf Eskihisar

Schlendern Sie in aller Ruhe aber auch mit Aufmerksamkeit und mit Blick für das Detail durch das sich weit hinziehende Dorf mit seinen bezaubernden Granatapfelbäumen. Es faszinieren sowohl die alten osmanischen Häuser als auch die darin verbauten antiken Elemente.

 

 

 

 

Die Geschichte der Stadt ist von Bedeutung. Sie wurde im 3. Jhdt. V. Chr. vom seleukidischen König Antiochos I. gegründet. Der Name der Stadt ist auf seine Frau Stratonike zurück zu führen.

Um 240 v. Chr. Soll die Stadt in den Machtbereich von Rhodos gekommen sein, einige Jahre später, noch vor dem Jahr 200 wurde es für wenige Jahre von den Makedonen erobert.

Seleukidenkönig Antiochos III. übernahm im Jahr 197 v. Chr. die Macht und gab die Stadt an Rhodos zurück. 167 v. Chr. erklärten die Römer Stratonikeia zur freien Stadt. Vorübergehend geriet es nach kriegerischen Auseinandersetzung an das Königreich Pontos. Stratonikeia blieb jedoch die gesamte Zeit der römischen Provinz Asia ein freie Stadt. Die Stadt gehörte unter Kaiser Augustus zu den „civitates foederatae“ der Provinz Asia. Ebenso wurde das Heiligtum Lagina von den Römern für „unverletzlich“ erklärt.

In der Spätantike wurde es Bischofssitz.

Stratonikeia war auch eine Münzstätte. es gibt eine Vielzahl von Münzen, insbes. zur römischen Kaiserzeit, die hier geprägt wurden.

 

 

Münze des Trajan (98-117 n. Chr. Vorderseite Caria Stratonicea Bronze ca, 2cm TRAIANON CE AY NEPBAN

Die Rückseite der Münze: Zeus thront nach links CTPATONEI IΝΔΕΙC

Hemidrachme von Stratonikeia, 166 v. Chr., Silber, Originalgröße 16mm;

links: Zeuskopf; rechts: Adler mit offenen Schwingen, CPTA, APICTEAC

Lagina

Lagina war das religiöse Zentrum zum politischen und zivilen Zentrum Stratonikeia. Es war in der Antike mit dieser direkt durch eine „heilige“ Straße (Prozessionsstraße) verbunden.

Sie finden es, wie bereits oben beschrieben, in der Nähe der heutigen Gemeinde Turgut.

Lagina verfügte über ein sehr bedeutendes Heiligtum der Hekate. Dies ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Wegkreuzungen, Übergänge und Schwellen sowie die Wächterin des Tores zwischen den Welten. Sie ist die Göttin der Magie, des Totenorakels und des Spuks. Es wäre also interessant, dort einmal eine Nacht zu verbringen.......

Der Hekate – Tempel (Hekateion) ist heute zumindest im Fundament mit teilweise erhaltenen Säulen deutlich zu erkennen. Zu Zeiten Strabons, also zwischen 63 v. Chr. Und 23 n. Chr., war dieser von außerordentlicher überregionaler Bedeutung. 2 Inschriften waren dort angebracht worden. Bei dem einen aus dem Jahre 81 v. Chr. Handelt es sich um die Verleihung der Asylie (Unverletzlichkeitserklärung) an das Heiligtum durch das römische Reich. Ein weiteres beinhaltet einen Volksbeschluss.

Der Tempel wurde in 2 Bauphasen gebaut, zum einen im letzten Drittel des 2. Jhdt. v. Chr, zum anderen um 80 v. Chr.

Geschichte:

Lagina war vermutlich in früher Zeit ein Ort der Kybeleverehrung. Kybele wurde mutmaßlich später dann zu Hekate. Näheres über diese ältere Zeit des Heiligtums ist jedoch nicht bekannt.

88 v. Chr. leistete Lagina erbitterten aber letztlich erfolglosen Widerstand gegen das anrennende Heer des Mithradares IV. Sulla belohnte dies besonders, indem er dem Tempel die „Unverletzlichkeit“ zusagte.

Dies hinderte jedoch einen späteren römischen Feldherrn namens Labenius nicht, den Tempel zu  plündern......  Octavian erneuerte die „Unverletzlichkeit“ und leistete Wiedergutmachung.