Myndos - das antike Gümüslük

Das (manchmal noch) verschlafene Dorf liegt am Ufer einer der schönsten Buchten der Ägäis.

Niemand wird die Stunden vergessen, die er hier Tee schlürfend mit Blick auf die Meeresbucht

in einer der vielen Restaurants verbringen durfte.

Und dies auf historischem Territorium!


Die ursprügliche Stadt Myndos befand sich auf dem landeinwärts gelegenen Berg "Bozdag".

 

Mausolos soll sich der Legende nach bei seinem Bemühen um die Vermehrung der Bevölkerung

von Myndos an den Philosophen Diogenes gewandt haben, der ihm den weisen Rat gegeben habe,

für längere Zeit die Stadttore zu schließen.

Doch das kann nicht der Wahrheit entsprechen! Keiner verlässt diesen Ort ohne Not!

Leider wurden die Ruinen von Myndos in der Vergangenheit sehr geplündert.

Ältere Einwohner wollen sich daran erinnern, dass im zweiten Weltkrieg ein von deutschen Kampffliegern

getroffenes Kriegsschiff während der Reperatur in der Bucht von Gümüslük versteckt wurde. Dieses Schiff sei mit einer Vielzahl von Ausgrabungsgegenständen, insbesondere Skulpturen beladen worden.

Belegen lässt sich dies nicht.......

Tatsache ist jedoch, dass in den vergangenen 100 Jahren der Bestand an wichtigen und sehenswerten mobilen Altertümern fast auf Null reduziert wurde.

Besiedelt war in der Antike Myndos von den Lelegern zunächst auf dem Bozdag.

Apollodorus, ein antiker Schriftsteller, gibt deren Ursprung mit dem Namen eines Königs "Lelex" an.

Die Leleger sprachen nicht griechisch und gehörten wohl der vor-indoeuropäischen Bevölkerung an.

Homers Ilias nennt die Leleger Bundesgenossen der Trojaner.

In der römischen Kaiserzeit gewann Myndos nochmals an Bedeutung. Bereits 44 n. Chr. wurde Myndos

von den Cäsarmördern Brutus und Cassius als Stabsquartier genutzt.

Zu jener Zeit war übrigens der Wein aus Myndos berühmt-berüchtigt. Er soll mit Salzwasser "verbessert"

worden sein :-).....

In der nachrömischen Epoche verlor Myndos zusehends an Bedeutung.

Plan von Myndos - bitte durch Anklicken vergrößern
Plan von Myndos - bitte durch Anklicken vergrößern

Eusebios von Myndos

Wen wundert es, dass Orte wie Gümüslük auch große Philosophen hervorbrachten.

Eusebios stammte aus der hier angesiedelten Stadt Myndos. Er studierte in Pergamon bei dem angesehenen

Philosophen Aidesios, bei dem im Jahre 351 n. Chr. der römische Kaiser Julian sich in Philosophie unterrichten ließ. Aidesios übertrug aufgrund seines fortgeschrittenen Alters diese hohe Aufgabe seinem

Schüler Eusebios, der Kaiser Julian mit seinen außergewöhnlichen didaktischen Fähigkeiten zu beeindrucken wusste.

Eusebios lehnte die Theurgie, eine Form der Magie, durch die die Götter den Menschen dienstbar gemacht werden sollten, als fatalen Irrweg ab. Theurgie sei der falsche weg, der nichts zur Reinigung der Seele beitrage, der vielmehr in Wahnsinn und absolutes Verderben führe.

Eusebios verneinte die Möglichkeit des Aufstiegs der Seele und "Heimkehr" in die geistige Welt durch äußerliche Zeremonien im Rahmen einer Kultpraxis. Diese sei nur erreichbar durch geistige Reinigung, die mittels Vernunft zu vollziehen sei. Der Mensch sei nicht angewiesen auf göttliches Eingreifen, sondern solle vertrauen auf die Fähigkeit der Seele zur Selbsterlösung durch philosophische Erkenntnis.

Silberdrachme Myndos 2. - 1. Jahrhundert vor Christus - Isiskrone

Inschrift: Mundiwin / Apollwini

 

Gefragt war wohl auch die Richterschaft der Stadt Myndos, die zuweilen von anderen Städten zu Rat gezogen wurde, wie ein Text aus dem Jahr 280 deutlich macht:

Auszug aus einem samischen Dekret zu Ehren von Richtern aus Myndos, ca. 280: »Beschlossen von Rat und Volk, Vorschlag der Prytanen, wofür der Rat ein Probuleuma einbrachte, damit die Richter, gekommen aus Milet, Myndos und Halikarnassos zur Entscheidung der in der Schwebe befindlichen Verträge, geehrt werden. Da, als die Bürger uneins miteinander waren über die in der Schwebe befindlichen Verträge, Philokles, der König der Sidonier, in der Absicht, daß die Stadt in Eintracht  lebe, schrieb, damit das Volk der Myndier eine Richtergruppe zur Klärung der in der Schwebe befindlichen Verträge sende, die Myndier aber jegliches Wohlwollen und Bereitschaft zur Versöhnung der Bürger erwiesen, ausgezeichnete Männer bestimmt und gesandt haben in die Stadt, Theokles, Sohn des Theogenes, und Herophantos, Sohn des Artemidoros, welche die vor sie gebrachten Streitfälle fair und gerecht behandelt haben, die einen durch ein Urteil, die anderen durch Versöhnung, indem sie sich vornahmen, daß die von den Bürger, die Streit haben, versöhnt werden und in einem Staat von Eintracht leben, befreit von den Anschuldigungen gegeneinander, wurde vom Rat und Volk beschlossen, zu preisen das Volk von Myndos  für die Entsendung der Männer, zu preisen auch die Männer, die gekommen sind, Theokles, Sohn des Theogenes, und Herophantos, Sohn des Artemidoros, weil ...«

Blick vom Bozdag auf die Haseninsel und die Bucht von Gümüslük - hier nahm Myndos seinen Anfang

Myndos.  2nd-1st centuries BC.  AR Hemidrachm.  Head of Dionysos right, wearing ivy-wreath; thyrsos over shoulder / MUNDAIWN , Winged thunderbolt .
Myndos. 2nd-1st centuries BC. AR Hemidrachm. Head of Dionysos right, wearing ivy-wreath; thyrsos over shoulder / MUNDAIWN , Winged thunderbolt .